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Sa, Nov

Der Zauber des Orients hat viele Gesichter: Marokko besticht mit Farben und Gerüchen

Afrika

Um die zwei gegensätzlichen Seiten des nördlichen Marokkos zu erleben, ist die Hafenstadt Casablanca der ideale Ausgangspunkt. Von dort aus erreichen wir in wenigen Autostunden die Region Meknes und die Stadt Fes am Fuße des mittleren Atlasgebirges. Krasser könnte unser Einstieg in die unbekannte Welt des Orients nicht ausfallen.


Autor: Werner Menzel, Fotos: werner-menzel.de


Für die erste Nacht in Marokko haben wir das in der City von Casablanca gelegene Hotel Kenzi Tower ausgesucht und werden hier gleich nach der Landung auf dem Flughafen Mohammed von der Geschäftigkeit einer hier noch westlich anmutenden Großstadt gefangen. Obwohl kurz vor Mitternacht, ist von abklingendem Lärmpegel nichts zu spüren. Dafür entschädigt eine perfekte Suite im Hotel mit einem fantastischen Ausblick über die Lichter der Stadt und auf die Hassan II. Moschee, die als eine der größten der Welt gilt.

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Kontrastprogramm in Fes

Eine rund vierstündige Autofahrt in Richtung Osten bereitet uns nun auf das „ursprüngliche Marokko“ vor. Endlose Wälder mit Korkeichen, dazwischen immer wieder einsame Hirten mit ihren Ziegenherden und abenteuerlich beladene Eselskarren prägen das Bild. Je näher wir der Stadt Fes kommen, umso häufiger sehen wir am Straßenrand fliegende Händler, die vom geflochtenen Strohhut über Feigen und Orangen bis hin zu Hundewelpen alles anbieten, was einen Touristen interessieren könnte.

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Auffällig sind die extrem häufigen Polizeikontrollen an den Haupt- wie Nebenstraßen, deren Anlass sich niemandem erschließt. In Fes selbst finden wir mit Hilfe eines einheimischen Führers schließlich unser Hotel Riad Maison Bleue, das recht versteckt nur über verschlungene Gassen erreichbar ist. Unser Auto hat hier keine Chance und muss „draußen bleiben“. Darüber freuen sich nicht zuletzt die überall präsenten Kofferkulis.

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Gold und Kamelköpfe

Fes im Nordosten Marokkos gilt als Kulturhauptstadt des Landes. Die von einer Mauer umgebene Altstadt Fes el Bali mit Gebäuden aus der Zeit der Meriniden, geschäftige Souks und ihre gediegene Atmosphäre ist der Hauptanziehungspunkt für Besucher aus aller Welt. Die Medina, also die „Alte Stadt“ birgt einen typischen Basar, der tunlichst nicht ohne ortskundigen Führer betreten werden sollt.

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Die engen, verwinkelten Gassen, oft nur einen Meter breit, beherbergen die gesamt Breite des marokkanischen Warenangebotes. Und das ist wirklich wörtlich gemeint, denn ob wir uns hier mit einem frischen Orangensaft erfrischen wolle, Goldschmuck für die/den Liebste/n suchen, uns mit Gewürzen eindecken wollen oder ganz einfach nur einen Kamelkopf für die sonntägliche Suppe shoppen wollen: Wir werden fündig. Hier in der Medina gibt es aber auch Religionsschulen, wie die Bou Inania Madrasa und die Medersa Attarine aus dem 14. Jahrhundert, die beide mit aufwendigen Zedernholzschnitzereien und kunstvollen Fliesen verziert sind.

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Nichts für zarte Nasen

Die Stadt Fes ist berühmt für die Lederprodukte, die hier seit Jahrhunderten hergestellt werden. Um in dieses Gerberviertel zu kommen, bedarf es erneut eines Führers, denn erreichbar ist diese absolute Sehenswürdigkeit durch einen kurzen Gang durch die beschriebenen Gassen der Medina, vorbei an hämmernden Männern im Handwerkerviertel, kleinen Verkaufsständen mit Getränken und Snacks und der „Bienenstraße“, einer Süßigkeitenmeile, in der Bienen und Wespen die Hoheit übernommen haben.

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Jetzt geht es immer der Nase nach geradeaus, bis wir einen immer stärker werdenden, zunächst undefinierbaren, Geruch wahrnehmen. Wir sind im Gerberviertel angekommen und müssen nur noch den Eingang zu einem Ledershop mit Terrasse finden. Von hier aus bietet sich die beste Aussicht auf die Gerbereien im Innenhof. Die Gerber stehen teilweise in den mit was auch immer gefüllten Bottichen und rühren die Häute von Rindern, Ziegen oder Kamelen durch. Trotz den penetranten Gestanks wird uns versichert, dass man hier ausschließlich mit ökologisch abbaubaren Substanzen arbeite.

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Zurück in die Vergangenheit

Nach diesen Eindrücken brauchen wir frische Luft: Der Weg führt uns nach Volubilis. Volubilis ist einer der bedeutendsten, antiken Ausgrabungsstätten der Römer in Nordafrika. Es wurde im 25. Jahrhundert vor Christi Geburt gegründet und galt unter den Römern als wichtige Provinzhauptstadt mit bis zu 10.000 Einwohnern. Im 5. Jahrhundert wurden die Römer vertrieben. Im 8. Jahrhundert machten die Bewohner Idriss I. zu ihrem Führer.

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Mit der Gründung von Fes verlor Volubilis an Bedeutung. Teile der Steine und Marmors wurden für die Bauten in Fes und Meknes benutzt. Die Stadt wurde verlassen. Ein Erdbeben 1755 setzte der Stadt nochmals zu und erst 1915 wurde mit den archäologischen Ausgrabungen begonnen. Heute ist der gesamte Bereich frei zugänglich und kann ausgiebig besichtig werden. Insbesondere viele gut erhaltene Mosaike, Thermen und Torbögen, wie die Basilika, lassen uns die Baukunst der Römer bestaunen.

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Kunsthandwerk vom Feinsten

Wer die Region Meknes und die Stadt Fes besucht, wird an den allgegenwärtigen Mosaiken nicht vorbeikommen. Diese speziellen Formen und Farben werden von so genannten Mosaiksetzern von Hand gefertigt. Nachdem die Keramikplatten mit der entsprechenden Glasur gebrannt sind, schlagen diese Künstler mit ihren extrem scharfen Hämmern die kleinen Mosaikteilchen nach Plänen, die sie im Kopf haben, zu.

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Anschließend wird das Mosaikmuster spiegelverkehrt und mit der Farbe nach unten auf dem Boden ausgelegt. Eine darüber gegossene Betonmasse verfestigt das Kunstwerk. Einzelstücke, wie Wappen oder Brunnen, werden unter anderem auch nach Deutschland exportiert und zieren hier Gärten oder Villen.

Weitere Informationen:

www.marokkoinformationen.eu (Allgemeine Infos zum Besuch)

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